Schulden im Wandel der Zeiten


Schuldknechtschaft und Schuldenturm waren Mittel zum Beitreiben der Schulden

Abbildung: Schuldknechtschaft im Sachsenspiegel: Die Abbildung stammt aus dem Heidelberger Exemplar, das im Internet in digitalisierter Form abrufbar ist - link siehe Ende des Artikels
Abbildung: Schuldknechtschaft im Sachsenspiegel: Die Abbildung stammt aus dem Heidelberger Exemplar, das im Internet in digitalisierter Form abrufbar ist – link siehe Ende des Artikels
Heute kann man privaten und geschäftlichen Schulden durch eine Insolvenz oder einen Konkurs entkommen. Doch das war beileibe nicht immer so. Gerade die Art wie mit Schulden und den Schuldnern umgegangen wurde hat sich doch sehr verändert. Schulden gibt es nachweislich schon seit ca. 5000 Jahren. Da es damals noch kein Münzgeld gab, stellt eine Schuld das Versprechen dar einen materiellen Wert, es handelte sich damals meistens um Getreide, den man erhalten hatte, wieder zurückzugeben. War dies nicht möglich musste man zum Beispiel im alten Babylon Frau und Kinder dafür verpfänden. Dies mag für so manchen Ehemann zwar eine gewisse Verlockung darstellen, wurde aber zum Glück bereits vom Griechen Solon um 600 vor Christus abgeschafft, nachdem die alten Griechen dies aber durchaus aus Mesopotamien eingeführt hatten.

Auch im römischen Reich, in Gallien und bei den germanischen Stämmen war diese Schuldknechtschaft gang und gäbe. Der Schuldner musste sich persönlich als Sicherheit verpfänden. Ebenso ist diese Praxis aus dem damaligen jüdischen Reich überliefert. Oft konnte der Schuldner oder die als Sicherheit übereigneten Personen verkauft werden und der Erlös wurde dann unter den Gläubigern geteilt. Manche Regularien schrieben aber auch vor, diese Schuldknechte nach einer gewissen Zeit oder zu gewissen Anlässen freizulassen.


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Obwohl weltweit verboten und geächtet ist die Schuldknechtschaft in manchen Ländern in Asien oder Lateinamerika noch immer verbreitet. Gerade Kinder werden hier versklavt und ausgebeutet.

Im Mittelalter hatte sich die Schuldknechtschaft in allen bäuerlich dominierten Regionen etabliert. Der Schuldner musste hier seine Schulden abarbeiten, selbstverständlich bei Brot ohne Lohn, aber pfleglicher Behandlung durch die Gläubiger.

In den mittelalterlichen Städten wäre dies auf Grund der Gegebenheiten nicht möglich gewesen, hier setzte sich die Privathaft durch. Der Büttel brachte den Schuldner zum Gläubiger und dieser setzte ihn bei sich zu Hause fest. Dadurch sollten Freunde und Angehörige unter Druck gesetzt werden, die offenen Schulden zu begleichen.

Zum Ende des Mittelalters entwickelten die Städte eine funktionierende Verwaltung. Die private Haft wurde verboten und Schuldner wurden nun von der Staatsgewalt in den Schuldturm gesteckt. Sehr oft mussten die Schuldner oder ihre Familien dann selbst für den Unterhalt des Gefangenen sorgen, wenn sie nicht elendiglich verhungern sollten. Als Zeugnis dieser Zeit kann man in Nürnberg noch den gut erhaltenen Schuldturm sehen.
In der Neuzeit gab es in Deutschland, heute oft vergessen, die Schuldhaft zur Erzwingung einer Bezahlung der Schulden oder zur Sicherheit, dass sich der Schuldner nicht vom Acker machen kann. Dies wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts aufgehoben.

Link zum Sachsenspiegel: Heidelberger Exemplar in digitalisierter Form


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