Inkassobüro – Welche Voraussetzungen sind notwendig?

Inkassobüro – Welche Voraussetzungen sind notwendig?

 

In diesem Artikel werden die Voraussetzungen zum Führen eines Inkassobüros geschildert. Notwendig ist eine Zulassung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz durch den Landgerichtspräsidenten. Dazu sind wirtschaftlich und juristisch hohe Ansprüche zu erfüllen.

Inkasso – Definition

 

Auf wikipedia wird Inkasso wie folgt definiert: „Inkasso ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaftslehre, speziell dem Bereich Finanzierung. Mit Inkasso ist der Einzug von Forderungen gemeint.“

Unternehmen und Freiberufler erbringen Leistungen, für die sie Rechnungen schreiben. Werden diese Rechnungen nicht beglichen, dann stellt sich die Frage was nun. Große Unternehmen haben sehr oft ihre eigenen Mahnabteilungen und/oder Rechtsabteilungen, die sich um diese offenen Forderungen kümmern. Sehr oft geben aber auch größere Unternehmen diese offenen Forderungen nach aussen. Damit werden wertvolle betriebsinterne Ressourcen geschont und der Einzug der Forderungen in Hände übergeben, die mit hoher Sachkunde diese Dienstleistung erbringen.

Bei diesen Dienstleistern handelt es sich um Inkassounternehmen oder Rechtsanwaltskanzleien. Mit Verabschiedung des Rechtsdienstleistungsgesetzes im Dezember 2007 (Inkrafttreten im Juli 2008) wurden die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Führen eines Inkassounternehmens rechtlich geregelt.

Inkasso ist eine Rechtsdienstleistung

 

Inkasso ist eine Rechtsdienstleistung nach §2 Abs.1 des Rechtsdienstleistungsgesetzes:

„(1) Rechtsdienstleistung ist jede Tätigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten, sobald sie eine rechtliche Prüfung des Einzelfalls erfordert.

in §2 Abs. 2 des Rechtsdienstleistungsgesetzes wird dieses nochmals konkretisiert:

„(2) Rechtsdienstleistung ist, unabhängig vom Vorliegen der Voraussetzungen des Absatzes 1, die Einziehung fremder oder zum Zweck der Einziehung auf fremde Rechnung abgetretener Forderungen, wenn die Forderungseinziehung als eigenständiges Geschäft betrieben wird (Inkassodienstleistung). Abgetretene Forderungen gelten für den bisherigen Gläubiger nicht als fremd.

Damit wird klar, dass es sich hier um eine Rechtsdienstleistung handelt, für die dieses Gesetz verabschiedet wurde. Nun gibt es zwar keine vorgeschriebene Berufsausbildung für den Betrieb eines Inkassobüros, aber im Gesetz sind die Rahmenbedingen geregelt, denen es bedarf, um ein Inkassounternehmen zu führen.

Eine Voraussetzung für das Führen eines Inkassounternehmens ist eine Registrierung nach §10 Rechtsdienstleistungsgesetz. Diese Registrierung wird beantragt beim zuständigen Amts- oder Landgericht und vom Präsidenten des Landgerichts erteilt. Ob ein Inkassounternehmen die erforderliche Registrierung hat, kann jeder im amtlichen Rechtsdienstleistungsregister www.rechtsdienstleistungsregister.de überprüfen.

Voraussetzungen für eine Zulassung zum Inkasso

 

In §12 Abs.1 Rechtsdienstleistungsgesetz sind die Voraussetzungen aufgelistet, die für die Zulassung notwendig sind:

(1) Voraussetzungen für die Registrierung sind
1. persönliche Eignung und Zuverlässigkeit; die Zuverlässigkeit fehlt in der Regel,
a) wenn die Person in den letzten drei Jahren vor Antragstellung wegen eines Verbrechens oder eines die Berufsausübung betreffenden Vergehens rechtskräftig verurteilt worden ist,
b) wenn die Vermögensverhältnisse der Person ungeordnet sind,
c) wenn in den letzten drei Jahren vor Antragstellung eine Registrierung nach § 14 oder eine Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nach § 14 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 und 7 bis 9 der Bundesrechtsanwaltsordnung widerrufen, die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft nach § 14 Abs. 1 der Bundesrechtsanwaltsordnung zurückgenommen oder nach § 7 der Bundesrechtsanwaltsordnung versagt worden oder ein Ausschluss aus der Rechtsanwaltschaft erfolgt ist,

2. theoretische und praktische Sachkunde in dem Bereich oder den Teilbereichen des § 10 Abs. 1, in denen die Rechtsdienstleistungen erbracht werden sollen,

3. eine Berufshaftpflichtversicherung mit einer Mindestversicherungssumme von 250.000 Euro für jeden Versicherungsfall.

Im Rechtsdienstleistungsgesetz werden diese Punkte in den nachfolgenden Absätzen konkretisiert. Das soll im Folgenden noch kurz erläutert werden:

1. Erforderliche Zuverlässigkeit

 
Die erforderliche Zuverlässigkeit für den Forderungseinzug bedeutet unter anderem, dass der Antragsteller in den letzten drei Jahren vor Antragstellung nicht wegen einer Straftat rechtskräftig verurteilt worden ist und dass er in geordneten Vermögensverhältnissen lebt. Dies bedeutet, dass er kein Insolvenzverfahren eröffnet hat und er nicht im Schuldnerverzeichnis eingetragen ist.

2. Erforderliche Sachkunde

 

Der Antragsteller muss die erforderliche Sachkunde nachweisen. Dies gilt sowohl für Theorie, als auch für Praxis. Der Nachweis hierfür ist durch Lehr- und Prüfungszeugnisse zu erbringen.

a) Theoretische Kenntnisse

Um ein Inkassobüro zu betreiben, sind fundierte Rechtskenntnisse erforderlich. Ein Jurastudium wird zwar nicht verlangt, ist aber eine gute Voraussetzung. Es sind auch Wirtschaftsjuristen, Diplom-Rechtspfleger oder Rechtsanwaltsfachangestellte zugelassen, die sich das notwendige Wissen in Lehrgängen angeeignet haben.

b) Praktische Erfahrung

Für die Zulassung ist eine durch entsprechende Ausbildung und berufliche Tätigkeit erworbene Sachkunde notwendig und nachzuweisen.

Die entsprechende Tätigkeit muss über eine längere Zeit (mehrere Jahre) ausgeübt worden sein.

Quellen und weitere Angaben:

Rechtsdienstleistungsgesetz in der Fassung vom 12.12.2007
Inkasso – Wikipedia
Rechtsdienstleistungsgesetz – Wikipedia